Wie alt mag Inge damals gewesen sein? Schwierig zu schätzen, aber Anfang Dreißig war sie schon. Seit geraumer Zeit besuchte ich sie fast täglich in ihrer kleinen, gemütlichen Dachwohnung, wo sie allein lebte, um ein Glas Wein mit ihr zu trinken und mich mit ihr zu unterhalten. Bei Inge konnte ich mein Herz ausschütten, über meinen Ärger in der Fabrik sprechen, in der ich seit dem Abitur Zeit arbeitete. Weiterlesen »
Ich war mal wieder solo und blätterte im lokalen Sonntagsblättchen. Als ich bei den Kontaktanzeigen ankam, “Sie sucht Ihn” viel mir eine Anzeige sofort ins Auge: Rote Stierfrau, 28/168/50, sucht netten Ihn… Da ich noch nie eine rothaarige Frau hatte und die “technischen Daten” nach meinem Geschmack waren, habe ich ihr einen Brief an die angegebene Chiffre geschickt. Nach einer Woche rief sie dann bei mir an und wir machten ein Blind Date auf den morgigen Sonntag aus. Weiterlesen »
Als Liah und Frankie den Club betraten, waren alle Lichter auf die kleine Bühne in der Mitte des Raumes gerichtet. Es war nicht besonders voll. Die laute Musik und das gedämpfte Licht erzeugten eine Atmosphäre, die vergessen ließ, dass es eigentlich erst nachmittags war. Es konnte genauso gut in einer Bar im Vergnügungsviertel, mitten in der Nacht sein. Liah und ihr Begleiter gingen durch den Dunst aus Kunstnebel und Zigarettenqualm zur Theke und fanden zwei freie Barhocker. Weiterlesen »
Kerstin zuckt zusammen. Die Stimme hinter ihrem Rücken ist zwingend: “Machen Sie kein Aufsehen, kommen sie bitte mit in mein Büro.”
Sie hat keine Gelegenheit mehr, den kleinen Weltempfänger aus der Innentasche ihres Mantels zu nehmen und ins Regal zurück zu legen. Als sie sich umdreht und in das verblüffte Gesicht des Hausdetektivs schaut, wird ihr das Herz ein wenig leichter. Der Mann ist sichtlich überwältigt vom Reiz ihres Antlitzes und der Figur, die der offene Mantel preisgibt. Folgsam geht sie ihm in die angedeutete Richtung voran. In seinem Arbeitszimmer bleibt sie verschüchtert an der Tür, während er sich bereits am Schreibtisch setzt. Wieder die harsche Stimme: “Ihren Personalausweis bitte!” Weiterlesen »
Birgit Feller wusste nicht, ob sie weinen oder jauchzen sollte. Neugierig hatte sie den Brief aufgefleddert. Ein Kloß saß ihr im Hals. Sie dachte an den Onkel. Erst vor vierzehn Tage hatte sie zum letzten Mal am Bett des Mannes gesessen. Er lag im Koma, aus dem er nach den Zeilen von Doktor Schmiedel nicht mehr erwacht war. Sein oft geäußertes Versprechen hatte er eingehalten. Sie war seine Universalerbin geworden. Doktor Schmiedel forderte nun auf, sich zur Annahme des Erbes zu entscheiden. Was gab es da zu entscheiden!? Zwei unverschuldete Mietshäuser, eine gutgehende Gaststätte und dazu einen schönen Batzen Bargeld! Weiterlesen »
Trotz ihres beinahe männlichen Outfits faszinierte mich diese Frau, die mir schon seit Stunden gegenüber saß und interessant plauderte. Ihr kurzes, nach vorn zu einem Pony gekämmtes Haar, gab ihr einen strengen Ausdruck. Das dunkle Kostüm verstärkte diesen Eindruck noch. Im Gegensatz dazu sprach aus jedem Satz empfindsame, sensible Frau.
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